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Prag/Tschechische Republik

Prag/Tschechische Republik

Nürnbergs Partnerstädte

Die Hauptstadt der Tschechischen Republik und größte Stadt des Nachbarlandes ist seit 1990 Partnerstadt von Nürnberg. Das 25-jährige Bestehen dieser Verbindung wurde im November 2015 mit Konzerten der Nürnberger Symphoniker und der Band „Wrongkong“, einer Theateraufführung von „Thalias Kompagnons“ sowie der NN-Kunstpreis- Ausstellung in Prag gefeiert.

Die „Goldene Stadt“ an der Moldau liegt am Kreuzungspunkt von zwei alten Handelsstraßen, erste Siedlungsspuren reichen bis in das 5. Jahrhundert vor Christus zuruck. Der Hradschin, die bekannte Prager Burg, wurde im 9. Jahrhundert angelegt, im 10. Jahrhundert folgte die zweite Prager Burg Vyšehrad. Um 1230 erhielt Prag das Stadtrecht, in der Prager Altstadt wurde das Nürnberger Stadtrecht eingeführt. In dieser Zeit entwickelten sich politische Beziehungen zu Nürnberg, bald darauf auch Beziehungen in den Bereichen Handel, Kunst und Wissenschaft.

Unter Kaiser Karl IV., der in Nürnberg noch heute am Schonen Brunnen und im „Mannleinlaufen“ an der Frauenkirche präsent ist, war Prag bereits eine der größten Städte Europas und erlebte eine Blütezeit, beispielsweise durch die 1348 gegründete Universität, die die osteuropäische Metropole zum ersten Hochschulstandort Mitteleuropas machte. Die „Goldene Straße“ – seit dem 14. Jahrhundert der wichtigste Handelsweg zwischen Prag und Nürnberg – gewann unter Karl IV. politische Bedeutung durch die Festlegung des Kaisers, dass die böhmischen Könige ausschließlich auf diesem Weg zu den Reichstagen und Kaiserwahlen reisen durften.

Der Veitsdom auf der Prager Burg. (Bild: © Michael Schillinger – privat)

Je ein „Prager Fenstersturz“ loste im 15. Jahrhundert die Hussitenkriege und im 17. Jahrhundert den Dreißigjährigen Krieg aus. Bis 1918 wurde Prag vom Geschlecht der Habsburger beherrscht, was der Stadt zwar einen Verlust an politischer Bedeutung brachte, aber ein vielfältiges künstlerisches Schaffen begünstigte. Mit der Gründung der „Tschechoslowakischen Republik“ (ČSR) wurde Prag wieder Hauptstadt. Die von 1939 bis 1945 dauernde Schreckensherrschaft der deutschen Nationalsozialisten brachte unsägliches Leid, vor allem für die jüdische Bevölkerung der Stadt. Der Nazi-Terror beendete zudem die jahrhundertelangen Beziehungen zwischen Prag und Nürnberg. Während der Alleinherrschaft der Kommunisten war Prag Hauptstadt des Landes, aber auch Zentrum politischer Gegenbewegungen wie des „Prager Frühlings“ 1968 und der „Samtenen Revolution“ 1989.

Im heutigen Prag leben rund 1,3 Millionen Einwohner, das historische Stadtzentrum mit seinen Stadtteilen Altstadt, Neustadt und Kleinseite, die seit 1992 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO stehen, lockt alljährlich Millionen von Touristen aus aller Welt in die Moldau-Metropole, die im Jahr 2000 zusammen mit acht weiteren Städten den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ tragen durfte. Und das vollkommen zu Recht.

Eine der vielen Straßen mit schönen Jugendstilhäusern in Prag. (Bild: © Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg)

Es wurde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn man all die bekannten und wunderschonen Sehenswürdigkeiten im Einzelnen beschreiben wollte. Deshalb genügt für die Darstellung ein kurzer Überblick. Der Artikel kann nie und nimmer einen Reiseführer ersetzen, auf den man fast gezwungenermaßen zurückgreifen muss.

Wenn man Prag-Neuling ist, kommt man in der Altstadt aus dem Staunen nicht heraus. Die Stadt heißt nicht umsonst „Goldene Stadt“. Und sie lässt einen auch nie mehr los.

Die Prager Burg (Hradschin) mit dem Veitsdom, die Karlsbrücke und der Altstädter Ring mit Teynkirche, Ungelt, Rathaus und astronomischer Uhr sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Auch die zweite mittelalterliche Burg, der Vyšehrad mit der St. Peter- und Pauls-Kirche, gehören zu den bekannteren Bauwerken. Die Prager Altstadt wird besonders durch ihre alten Hauser, die oft bis in die Romanik und Gotik zurückreichen, ihre zahlreichen Kirchen und engen Gassen geprägt. Auf der Kleinseite und in der Hradschin- Stadt dominieren dagegen Palais aus der Renaissance und dem Barock. Dort befindet sich auf der Insel Kampa die John Lennon-Mauer. Unweit der beiden Stadtteile liegt das Kloster Strahov. Im alten jüdischen Stadtteil Josefov sind mehrere Synagogen und der Alte Jüdische Friedhof erhalten.

Die berühmte Astronomische Aposteluhr, auch Weltuhr genannt, am Altstädter Rathaus. (Bild: © Michael Schillinger – privat)

Die Prager Burg
Als größtes, in sich geschlossenes Burgareal der Welt versammelt die Prager Burg viele Sehenswürdigkeiten in sich, wie das Goldene Gässchen, den Veitsdom und die Nationalgalerie. Außerdem befindet sich hier die Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik. Und man hat einen fantastischen Ausblick auf die Stadt.

Der Altstadter Ring
Der Altstädter Ring ist der zentrale Marktplatz der Prager Altstadt und bietet eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten, wie das Altstädter Rathaus, die Astronomische Aposteluhr, die St. Nikolaus-Kirche und die Teynkirche mit ihren markanten Türmen.

Der Wenzelsplatz 
Der Wenzelsplatz ist einer der größten Platze Europas. Durch seine langgestreckte Form wirkt er eher wie ein Boulevard und ist ein beliebter Ort fur Restaurants, Bars, Geschäfte und Hotels. Jedermann sieht vor seinem Auge noch die Bilder vom Prager Frühling in den 1960er Jahren mit den Demonstranten und den russischen Panzern, die das zarte Pflänzchen Demokratie damals zunichtemachten. Am Ende des Platzes befindet sich das Clementinum, ein ehemaliges Jesuitenkloster, das heute Nationalbibliothek ist.

Berühmt ist Prag ebenfalls wegen seiner zahlreichen Jugendstilbauten. Bestes Beispiel ist die Pariser Straße, die ultimative bürgerliche Prachtstraße. Sie gehört dank ihrer Lage schon immer zu den Straßen mit einer hohen Konzentration von Luxusgeschäften, eleganten Cafés, Restaurants und Bars. Diese Straße läuft vom Altstädter Ring zur Moldau, halbiert das Judenviertel und ist für einen Bummel ausgezeichnet geeignet. Man muss nur ein wenig Kleingeld mitnehmen. Aber die Jugendstilfassaden der Hauser muss man gesehen haben. Und wenn man schon die Restaurants erwähnt, kommt man an der tschechischen Küche nicht vorbei. Auf die Taille darf man aber nach einem Prag-Besuch besser nicht schauen. Die tschechische oder böhmische Küche ist nicht gerade die gesundeste. Es gibt eigentlich in den böhmischen Restaurants immer die gleichen Gerichte: Gulasch mit Knodel, Schweinshaxe, Entenkeule und ähnlich schwere Kost. Die Qualität ist meist sehr gut und die Preise sind vergleichsweise günstig. Für Vegetarier und Veganer ist die Küche hingegen weniger geeignet.

Blick auf das Altstädter Rathaus (links) und die Teynkirche. (Bild: © Amt für Internationale Beziehungen)

Zum böhmischen Essen gehört selbstverständlich das tschechische Bier. Es ist international berühmt für seine ausgezeichnete Qualität und Süffigkeit. An erster Stelle steht das Pilsener Urquell, das man unbedingt probieren sollte, genauso wie das Staropramen, das aus der zweitgrößten Brauerei des Landes kommt. Es gibt Leute, die halten das Budweiser für ein amerikanisches Bier, bestärkt durch die Werbung bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Dabei kommt das Bier aus dem tschechischen Budweis. Unerwähnt sollte auch das Pilsener Prazdroj nicht bleiben, das man in jedem Lokal bekommt. Machen Sie doch einen Wochenendausflug in die Goldene Stadt und probieren Sie die kulinarischen Schwergewichte.

Durch die Fertigstellung des letzten Teilstuckes der Autobahn A6 zwischen Amberg-Ost und dem Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald, eine Wiederbelebung der alten „Via Carolina“, ist Prag von Nürnberg aus in knapp drei Stunden sowohl mit dem PKW als auch mit Bussen der Deutschen Bahn, die mehrmals täglich zwischen beiden Städten verkehren, gut erreichbar.

Die Kontakte zwischen Nürnberg und Prag wurden in den 1980er Jahren und somit zu einer Zeit erneuert, als die „Tschechische und Slowakische Sozialistische Republik“ (ČSSR) noch existierte und zu den Staaten des „Warschauer Pakts“ zahlte. Der damalige Nürnberger Oberbürgermeister, Dr. Peter Schonlein, wünschte sich Nürnberg als Mittelpunkt einer Ost-West-Achse, zu der neben Prag auch die ukrainische (Partner-)Stadt Charkiw zahlte. Die Wiederannäherung zwischen Prag und Nürnberg war selbst nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ nicht einfach, aber nur eine Frage der Zeit.

Blick von der Prager Burg auf die Kleinseite und die Altstadt. (Bild: © Amt für Internationale Beziehungen)

Das Zustandekommen der Städtepartnerschaft gestaltete sich deshalb so schwierig, weil Prag Landeshauptstadt der ČSSR war und in der Regierung und der Kommunistischen Partei die damalige Doktrin galt, dass Prag nur mit Städten eine Partnerschaft eingeht, die selbst Hauptstädte waren. Dieses Kriterium konnte Nürnberg natürlich nicht erfüllen. Den Durchbruch schaffte man nur über die hervorragenden Beziehungen zum damaligen Kanzleichef des Primators Jiri Götz, dem Sohn des damaligen tschechoslowakischen Botschafters in Bonn. Beide, Vater und Sohn, schoben das Zustandekommen der Partnerschaft auf politisch unterschiedlichsten Ebenen kräftig an. Uber diese Schiene und über persönliche Besuche vom damaligen Oberbürgermeister Schonlein in Prag, gelang es, das von Prager Seite verlangte Erfordernis, nur Hauptstädte als Partner der Stadt zuzulassen, aufzuweichen. Dabei spielte insbesondere das historisch gewachsene Verhältnis zwischen Nürnberg und Prag eine entscheidende Rolle und wurde als Ausnahmetatbestand festgeschrieben.

„Keine Stadt ist für Prag geographisch und historisch so nahe wie Nürnberg“, betonte deshalb auch der damalige Primator Jaroslav Kořan im September 1990 bei der Unterzeichnung des Städtepartnerschaftsvertrages.

Bereits vor dem Abschluss der Partnerschaft mit Prag kamen erste Austausch- und Kooperationsprojekte zustande, und in der ersten Hälfte der 1990er Jahre war die Zusammenarbeit zwischen Prag und Nürnberg besonders intensiv – es gab fast keinen Bereich, in dem nicht auf die eine oder andere Weise kooperiert wurde. Die verbesserte Verkehrsinfrastruktur zwischen Nürnberg und Prag, zu der auch der Paneuropa-Radweg von Paris über Nürnberg nach Prag gezahlt werden kann, ist seit einigen Jahren eine gute Voraussetzung für eine erneute Intensivierung dieser Städtepartnerschaft.

Neuen Schwung in diese Städteverbindung bringen beispielsweise verschiedene Schulen in Prag und Nürnberg. Darüber hinaus ist nicht nur in Nürnberg, sondern auch auf Prager Seite wieder ein verstärktes Interesse an einer Belebung der Zusammenarbeit, gerade auch zwischen den Stadtverwaltungen, zu spuren. Ob gegenseitige Einladungen zu verschiedenen Fachtagungen und Delegationsbesuchen, Projekte und Veranstaltungen in verschiedenen Bereichen, Informationsaustausch oder ein Freundschaftsspiel zwischen den Mannschaften aus den Stadtverwaltungen der Rathäuser, so wie es die Rathaus-Kickers vor einigen Jahren inszeniert hatten – die Partnerschaft befindet sich wieder im Aufwind. Dafür sorgt auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und mit der im Dezember 2014 eröffneten Bayerischen Landesvertretung in Prag.

Blick von der Karlsbrücke auf die Moldau. (Bild: © Amt für Internationale Beziehungen)

25 Jahre Partnerschaft Nürnberg-Prag

Nach „Prag-Tagen“ in Nürnberg im Sommer 2014 mit einem Gastspiel der Prager Symphoniker und weiteren kulturellen Highlights fand im November 2015 zum 25-jahrigen Bestehen der Partnerschaft ein „Gegenbesuch“ in Prag statt: Die Nürnberger Symphoniker gaben am 17. November 2015 ein festliches Konzert im „ObecniDům“, dem Repräsentationshaus am Platz der Republik. Am 18. November wurde im ehrwürdigen Altstädter Rathaus die NN-Kunstpreis-Ausstellung eröffnet, eine Ausstellung mit 40 Werken von Kunstlern aus Stadt und Region Nürnberg. An diesem Tag war außerdem im Kulturzentrum „Palac Akropolis“ des Szenestadtteils Žižkov ein Auftritt der Nürnberger Band „Wrongkong“ und am 19. November wurde im legendären Theater „Na Zabradli“ („Am Geländer“), wo in den 1960er Jahren bereits der Autor, Bürgerrechtler und Politiker Vaclav Havel wirkte, das Stuck „Kafkas Schloss“ vom Nürnberger Ensemble „Thalias Kompagnons“ aufgeführt. Bereits seit langer Zeit ist der berühmte Nürnberger Künstler Albrecht Durer in Prag präsent: eines seiner bekanntesten Werke, das Altarbild „Rosenkranzfest“, entstand zwar 1506 in Venedig, gelangte aber 100 Jahre später nach Prag und ist dort in der Nationalgalerie (Palais Sternberg) zu besichtigen.

Nach Lektüre dieses Artikels über die Partnerstadt, die von Nürnberg aus wirklich nicht sehr weit entfernt ist, ist vielleicht bei Ihnen der Entschluss gereift, die „Goldene Stadt“ wieder einmal oder das erste Mal zu besuchen. Ein verlängertes Wochenende lohnt sich dafür selbstverständlich auch. Sie werden es nicht bereuen.

Die Serie wird fortgesetzt.

(Titelbild: © Michael Schillinger – privat)

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